Für einen objektiven Diskurs.
Gegen STIGMA UND SCHAM.

Eine Frage des Lebens

Über das Projekt

Ausgerechnet unter diesem Titel wird nun das Thema Schwangerschaftsabbruch untersucht. 
Fernab möglicher Verwunderung, Irrititation oder auf individueller Befindlichkeit basierende Ärgernis irgendwelcher Einzelpersonen gibt es Gründe, die zu diesem Titel führten.

Eine Frage des Lebens steht für etliche Fragen rund um das Leben, die die Meisten sich nicht nur ein Mal gestellt haben: Was ist der Mensch, was macht ihn aus, was macht mich und andere nicht nur zu einem „Lebe-„Wesen sondern zu der Person, die ich bin oder mein Gegenüber zu dem, den ich kenne?
Hat die Auslegung des Begriffes Menschenwürde etwas mit Zeit und Raum zu tun? Woraus setzt sich Menschenwürde eigentlich zusammen?
Es geht um Anfang und Ende des menschlichen Seins, deren Grenzen mannigfaltige Varianten zulassen. Dies gilt auf spezielle Art auch für die Entscheidung, ob man eine Schwangerschaft frühzeitig beendet oder auch nicht. Das Leben ist keine Blaupause. 
Reden wir bei einer Schwangerschaft innerhalb der Fristenlösung von einem Menschen oder über das Potential von einem zukünftigen lebendigen Menschen? Wann wird der Mensch nun Mensch? Wann der menschliche Leib zur Person?
Antworten gibt es viele; es kommt darauf an, ob und welcher ideologischen Argumentation gefolgt wird und welchen Arten von Informationen priorisiert werden.
So banal es sich anhören mag: Dies sind Glaubensfragen, im wortwörtlichen Sinne. Das meine ich nicht nur im religiösen Sinne, sondern denke auch an „man meint (/glaubt) etwas zu wissen“.

Es geht in meiner Arbeit nicht darum, Urteile über die verschiedenen Glaubensrichtungen zu fällen.
Wir leben in liberalen Zeiten, die Glaubensfreiheit ist in der Deutschen Verfassung eines der obersten und wichtigsten Güter.
Liberalität hört aber an dem Punkt auf, wo der Versuch systematischer Missionierung durch andere das Recht auf individuelle liberale Selbstbestimmung der Frau beschneidet, Lebensentwürfe in Frage stellt und die Würde der Frau untergräbt.



Fakt ist, dass viele Mitmenschen sich nicht ansatzweise mit einem Schwangerschaftsabbruch fundiert auseinandersetzen, bis sie selbst auf irgendeine Weise damit konfrontiert sind.
Reden wir deshalb über die Möglichkeiten der Informationsbeschaffung im Jahr 2019. Es gibt etliche informelle Missstände – teils durch das StGB hofiert – die dazu führen, dass extreme Lager ohne rechtliche Konsequenzen Fehlinformationen verbreiten. Mittlerweile durch das Internet so erfolgreich, dass deren Halb- und Fehlinformationen das gesellschaftliche Meinungsbild entscheidend und nachhaltig mitgeprägt haben. Dem Gegenüber existieren weiterhin verbale Maulkörbe für diejenigen, die objektive medizinische Fakten auf den Tisch bringen könnten, aber nicht dürfen.

Eine Frage des Lebens beschäftigt sich also nicht nur um die Frage nach der Menschenwürde des Embryos, sondern auch mit der Würde der Frau. Wohlmöglich auch der Würde einer schon an der Frau hängenden Familie, deren bisheriges Dasein auf den Kopf gestellt werden kann. Denn wider des allgemeinen Vorurteils „welche Schicht an Frauen am meisten abtreibt“ sind es in der Realität meist Frauen, die mindestens schon ein Kind ausgetragen haben.
Wie war das noch gleich mit der objektiven Informationsbeschaffung? Heißt es nicht, dass Information ein Menschenrecht sei?


Ein Urteil darüber fällen, ob überhaupt oder in welchen Situationen ein Schwangerschaftsabbruch im eigenen subjektiven Kosmos „okay“ ist, steht Niemandem außer der unmittelbar Betroffenen zu. 
Die Frau ist es nämlich auch allein, die in letzter Konsequenz ihre Entscheidung mit sich ausmachen muss.
Die platte Behauptung, dass die Entscheidung zu einem Abbruch von einigen Frauen mal eben zwischen Tür und Angel gefällt werden könne, ist reine frauenverachtende Polemik.
Im Fokus bleibt immer die Frau, wird durch sich selbst und die Gesellschaft in die moralisch fragwürdige Ecke gedrängt oder in der Furcht, es zu werden.

Verlierer sind die Frauen, die in diese Situation geraten und sich plötzlich selbst im innersten Freundes- und Verwandtenkreis nicht sicher sind, sich in Ruhe mit ihrem Umstand zu befassen und austauschen zu können.
Stigma und Scham helfen garantiert nicht, sich der Ausnahmesituation einer Schwangerschaft mit kühlem Kopf anzunehmen, gar ein „ungewolltes Kind“ weitere Monate freiwillig in seinem Körper zu haben.
Selbst werdende „Wunschkind“-Mütter empfinden eine Schwangerschaft nicht wie ein nie endenwollender Sonntagsspaziergang.
Für manch wen absurd, für mich ein besonderer Antrieb, dass speziell junge Mütter mit Wunschkindern und normativer Kernfamilie sich vehement für mein Projekt und eine gute medizinische Versorgung beim Schwangerschaftsabbruch einsetzen.

Komisch?
Denken Sie mal drüber nach.
Solange Sie denken, arbeite ich weiterhin an meinem Projekt, dass dazu beitragen wird, Schwangeren in Ihrer aufrichtigen Entscheidungsfindung für oder gegen die Austragung zu stärken.
Ich wünsche allen Schwangeren viel Kraft, verständnisvollen Umgang und die optimalste medizinische Versorgung für Ihren weiteren Weg, egal ob sie danach Mutter sind oder nicht.


PS:
Möglicherweise wird der ein oder andere Rezipient nun echauffiert sein, dass ich kein Interesse daran habe Menschen zu Wort kommen zu lassen, die Schwangerschaftsabbrüche kategorisch ablehnen. 
Zur Erinnerung: Abtreibungen hat es immer gegeben und wird es immer geben – egal ob es medizinisch notwendig ist oder weil die Betroffene keine Lust auf eine für sie „gefühlte Zwangsaustragung“ hat. 

Embryonen werden und wurden so oder so entfernt. Unter dem Strich bleibt nur die Frage bestehen, ob Frauen Gefahr laufen sollen, am Eingriff zu sterben oder nicht. 

Das Recht auf körperliche Unversehrtheit ist für mich eine der wichtigsten Errungenschaften der Zivilisation und es gilt auch für Frauen. Fundamentalistische „Lebensschützer“ stellen dieses Recht generell in Frage. Dementsprechend habe ich keinerlei Interesse an einer persönlichen Auseinandersetzung oder sehe eine Notwendigkeit, die von diesen Gruppierungen eh schon im Netz inflationär verbreiteten Skandierungen eine mediale Plattform zu geben. 

Wer Steckt hinter dem Projekt?

Ich bin Meike, freie Fotografin.
Aufgrund der monatelangen §219a Debatte in den Medien entschloss ich mich, meine Freizeit mit der Untersuchung der kommunikativen und informativen "schwarzen Löcher" rund um das Thema "Abtreibung" zu verbringen.
Nach einigen Monaten bemerkte ich, dass sich so viele Baustellen eröffneten, dass ich gleichzeitig ein sinnstiftendes Thema für die Fortführung meines Studiums fand. 
Seitdem realisiere ich verschiedene Arbeiten in den Bereichen Fotografie, Film und Ton.
Alle realisierten Projekte werden am Ende als große Ausstellung unter diesem Titel zusammengefasst werden. 

Mit der Ausstellung wünsche ich mir danach bundesweit zu reisen, um einen Beitrag zur Informationsbeschaffung gegen Stigmatisierung und Scham zu leisten. 

KAPITEL 2:
Ich suche DICH(?)

Du hast (mindestens) einen Schwangerschaftsabbruch hinter dir und würdest dich vor meine Kamera stellen? 
Dann suche ich dich für meine Portraitserie! 
Ich suche im GANZEN BUNDESGEBIET möglichst viele Frauen, die einen Abbruch hinter sich haben.
JEDEN ALTERS. JEDER HERKUNFT.

Alle Fotos werden zusammen als ein großes Wandbild zusammengesetzt, um visuell zu zeigen, dass es sich nicht nur um "ein paar Einzelfälle" handelt, die eine Schwangerschaft abbrechen.

Gab es nicht sowas schonmal in den 70-ern? 
Ja. Grob lehne ich mich an die Idee des Stern-Covers an. Da seitdem Jahrzehnte ins Land gingen, wird es Zeit für einen visuellen Neustart! Diesen möchte ich auch dazu nutzen, u.a. zusätzlich auf die Situation der Bürgerinnen der ehemaligen DDR (vor und nach der Wende) aufmerksam zu machen. 
Für die entstehende Fotoportrait-Installation verzichte ich auf die direkte Erklärung von Einzelgründen; ich trenne auch nicht zwischen den verschiendenen Indikationen, die zum Schwangerschaftsabbruch führten.
Dein Portrait und dein Vorname reichen mir.

Solltest du ein Statement abgeben wollen, würde ich mich über ein anonymisiertes Ton-Interview mit dir im Anschluss an das Shooting freuen. 


Einen Abbruch kann JEDE aus den unterschiedlichsten Gründen betreffen: 
Deine Mutter, deine Schwester, Freundin, Partnerin, Bekannte oder auch dich. 
Lasst uns offen mit damit umgehen und in den Dialog kommen. 


Melde dich unter: meike@einefragedeslebens.de

Bist du irgendeiner organisation angehörig

Nein. Ich arbeite aus eigenem Antrieb heraus und völlig frei an diesem Thema. Täglich bemerke ich bei meiner Arbeit, dass viele Wissenslücken beim Schwangerschaftsabbruch existieren. Notstände und Schieflagen, die diese medizinische Leistung betreffen, überblicken leider weniger Mitmenschen, als zeitgleich vorschnelle Meinungen dazu durch die Welt posaunt werden.

Bist du feministin / AKTIVISTIN


Weder gebe ich mir gern selbst irgendwelche Attribute, noch lasse ich sie mir freiwillig von Anderen aufdrücken.
Nur weil ich Empathie gegenüber den thematisch Betroffenen (Frauen, Ärzt*innen, Konfliktberater*innen) entgegenbringe und jeder gebärfähigen Person mit Uterus den Anspruch auf Selbstbestimmung zubillige, bin ich noch lange keine Feministin/Aktivistin im klassischen Sinne.

Was wäre dein wunsch


Ich würde mir wünschen, mit meinem Projekt zu einem objektiveren Umgang und Diskurs beizutragen.
Außerdem fänd ich es wünschenswert, allgemein vielen Frauen den Zugang zu Informationen und Denkanstößen mitzugeben, bevor sie in der Situation einer für sie fragwürdigen Schwangerschaft stecken. Dem Schrott, den einschlägige Gruppierungen im Netz verbreiten und man als Frau zu lesen bekommt, sollten mehr nüchterne Informationen und Denkanstöße entgegen stehen.

Existiert nur Kapitel 2

Nein. Eine Frage des Lebens wird voraussichtlich aus vier Arbeitsteilen (Kapiteln) bestehen.
Kapitel 1 - zeitlich verifizierte Fruchtblasen wurde schon einige Male ausgestellt. Solltest du Fragen dazu noch Fragen haben, wende dich bitte mit deinem Anliegen per Mail an mich.
Kapitel 3 wird sich mit Abbruchmethoden beschäftigen, Kapitel 4 wird eine mehrteilige Videointerview-Reihe sein, die in den Anfängen der Planung steckt.

Wie finanzierst du das Projekt

Bisher habe ich die Arbeit an dem Projekt inkl. aller anfallenden Kosten aus den Gewinnen meiner freischaffenden Tätigkeit finanziert. Leider. Die Versuche, an Fördermöglichkeiten zu kommen, blieben bis jetzt  erfolglos.

Der Kostenfaktor ist deshalb der Hauptgrund, weshalb ich die Portraitreihe so gebündelt wie möglich realisieren will. In NRW bin ich jedoch immer bereit, dich zu fotografieren.

Wie kann man dir helfen

FInanzielle Hilfen wären z.B. über den Kauf der limitierten Fine-Art-Prints aus Kapitel 1 möglich, Einladungen zu  bezahlten Vorträgen über mein Projekt – oder schlicht über Jobanfragen. Ich bin weiterhin selbstständig in meinen fotografischen Arbeitsgebieten aktiv.
Organisatorische Hilfestellungen finde ich genauso toll – denn Zeit kann man oft auch in Geld messen: Weiterleitungen zu meiner Portraitsuche (Kapitel 2), die Vermittlung an Galerien und Ausstellungsflächen helfen mir, mein Projekt reibungsloser zu realisieren.

Der direkte Draht zu mir

Teilnahme. (An-)Fragen. Kritik. Alles ist willkommen. 
meike@einefragedeslebens.de

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